Was ist naturnahes Grün?

Naturnahe Grünflächen hört man: sie summen, zwitschern und zirpen. Man riecht eine Wolke von Düften, und man sieht vor allem: Vielfalt. Vielfalt an Strukturen (Bäume, Büsche und Kräuter; Steine, Holz und Wasser; Licht und Schatten; Hügel und Senken), Vielfalt an Farben – denn das naturnahe Grün ist meistens bunt! – und eine Vielfalt an Tieren. Denn mit naturnahen Grünflächen schaffen wir Lebensraum für eine erstaunliche Vielfalt an Insekten, Vögeln, Amphibien, Reptilien und kleinen Säugetieren.
Das klingt paradiesisch (und ist es auch!), ist aber ganz einfach: wenn man entsprechende Grundsätze befolgt. Hier stelle ich Ihnen diese Grundsätze vor, die naturnahe Grünplanung auszeichnen und komme dann weiter unten auf die möglichen Einsatzgebiete der naturnahen Grünplanung zu sprechen.

Vier Grundsätze

  • Verwendung heimischer Wildpflanzen
    DAS Grundprinzip schlechthin ist die Verwendung heimischer Wildpflanzen, schließlich bilden diese die Basis unseres Ökosystems. An sie haben sich über Jahrtausende zahllose Insektenarten angepasst und können ohne sie nicht mehr existieren. Umgekehrt bilden Insekten für fast alle anderen Tierklassen die Nahrungsgrundlage, weshalb viele Wildpflanzen also auch für Igel, Gartenrotschwanz, Frosch und Eidechse wichtig sind. Mit den heimischen Wildpflanzen holen wir uns also die Natur zurück und bauen das Ökosystem von unten auf. Schmetterlinge, Hummeln und Vögel folgen: Versprochen!

  • Konsequent bis ins Detail: jeder Quadratmeter zählt!
    Die Erfahrung zeigt, dass bereits ein Blumentopf mit Wildpflanzen eine seltene Nektarquelle für spezialisierte Wildbienen sein kann. Lassen Sie uns angesichts des bedrohlichen Artensterbens nicht Kleckern sondern Klotzen! Für die Planung bedeutet dies den Ehrgeiz, alle Möglichkeiten für mehr Natur mit zu bedenken: vermeintliche Details wie Pflasterfugen und Regenwasser gilt es ebenso einzubeziehen wie Balkonkästen und Garagendächer.

  • Verwendung nachhaltiger und naturverträglicher Materialien
    Dass die Verwendung von chinesischem Granit und Umweltgiften ein absolutes No-Go ist, sollte eigentlich klar sein. PVC kommt in keinen Naturteich.
    Besonderes Augenmerk verdient stattdessen die Möglichkeit, mit Recycling kostengünstig sowie umwelt- und klimafreundlich zu planen. Nicht nur Mauern lassen sich hervorragend und formschön aus alten Ziegeln und Pflastersteinen neu errichten, auch anfallender Aushub kann oft auf der Fläche wiederverwendet werden.

  • Nutzerfreundlich, transparent und demokratisch Planen
    Naturnahe Grünflächen sind nicht nur Gärten für Tiere, sie sind in erster Linie für Menschen gemacht! In jedem Raum überkreuzen sich dabei eine Vielzahl an unterschiedlichen Interessen und Vorstellungen. Man denke an eine Familie: die tastende Erkundung der Kleinsten, den Bewegungsdrang der Kinder, das Rückzugsbedürfnis der Jugendlichen und das Ruhebedürfnis ihrer Eltern – sowie eventuell die eingeschränkte Mobilität der Großeltern. Diesen Umstand versuche ich bewusst als Gelegenheit zu nutzen, möglichst viele Stimmen in der Planung (und idealerweise auch in der Umsetzung) miteinzubeziehen und ihre Wünsche umzusetzen.
    Die aus einem solchen gemeinsamen Prozess erwachsenen Räume stiften nachhaltig Identität und Verbindung.

Drei Einsatzgebiete

Generell lässt sich der Anwendungsbereich naturnaher Grünplanung auf etwa drei „typische“ Einsatzgebiete umschreiben. Pauschal kann man jedoch sagen, dass aller Außenraum Gegenstand naturnaher Planung werden kann.

  • Privatgärten
    Gärten sind seit jeher Orte gestalteter Natur. Ein Naturgarten ist da keine Ausnahme. Er ist vielleicht – aber nicht notwendig – wilder als „normale“ Gärten, sicher aber ist er lebendiger. Ein Rückzugsraum für Menschen und Tiere. Für Impressionen empfehle ich das Video des Naturgarten e.V.

  • Natur-Erlebnis-Räume
    …sind Spielplätze, die Naturerlebnis vermitteln. Mit allen Sinnen sollen Kinder und Jugendliche jeden Alters (für KiTa-Gärten ebenso wie für die Oberstufe im Gymnasium) hier in die Natur eintauchen können. Natürlich entsprechend ihrer altersgemäßen Interessen – deswegen beteilige ich Sie gerne bereits bei der Planung. Einen guten Einblick gibt auch hier das Video des Naturgarten e.V.
  • Öffentliche und gewerbliche Grünflächen
    Naturnahes Grün inspiriert und weckt Sehnsüchte! Während man an der Bushaltestelle wartet, von Schmetterlingen umschwärmt werden? Am Ortseingang bremsen, weil „diese Blumen…WOW!“ ? In der Mittagspause auf dem Betriebsgelände zwischen Vogelgezwischer und Grillenzirpen entspannen? Zugleich ist naturnahes Grün pflegeleichter und klimaresistenter als konventionelle Begrünung! Mehr Impressionen gibt auch hier das Video des Naturgarten e.V.